Die Reihe O.K spektral erweitert ihre Präsentationsplattform und bringt eine große Werkschau der in Frankfurt ansässigen Mediendesign-Gruppen MESO und Involving Systems. Übergreifendes Generalthema ist die Frage nach den Produktions-bedingungen von Sounds zwischen der DJ-Culture der 1990er Jahre, Neuer Elektronik und Mainstream Pop-Radio.
Die Ausstellung führt in eine Welt höchst unterschiedlich gestalteter und von den beiden Gruppen selbst entworfener Geräte und interaktiver Installationen. Veranschaulicht werden aktuelle Kompositionsvorgänge im Bereich der Elektronik und digital remixter Musik.
Mit den Mitteln der optischen Verfremdung und des spielerischen Umgangs mit Design und Technologie werden Wegstrecken der Innovation von Sound kartografiert. Zugleich werden Verweise auf einzelne Szenenfelder der verstreuten Pop-Subkulturen abgesteckt, die sich den Möglichkeiten der Musikerzeugung und Soundkombination per Turntable oder Power Book, per Regler, Filter oder Sampler experimentell und kritisch annähern.
Die Formation Involving Systems hat seit 1994 zahlreiche Installationen mit unmittelbarer Anbindung an das Themenfeld der Elektronischen Musik konzipiert. Ihre interaktiven Projekte ermöglichen den AusstellungsbesucherInnen diverse Musikstile und einzelne Cuts zu de- oder zu rekonstruieren. Zum Teil werden diese Kompositionsprozesse visualisiert, um auf die Zusammenhänge gegenwärtiger Musikerzeugung und die Grammatik auf dem Computerbildschirm zu verweisen.
Daraus ergeben sich logische personelle Überschneidungen mit der Gruppe MESO, die sich als Designbüro für digitale Inszenierung und Interaktion international positioniert hat. MESO vereint Gestalter, Medienschaffende und Computerspezialisten, die versuchen, den Raum zwischen kommerziellen Projekten als Dienstleistung und freier Kunst sowie den Bereich zwischen Gestaltung, Technologie und Spiel aufzufüllen.
Diese Werkschau der Gruppen MESO und Involving Systems wurde für die Präsentation im Rahmen der Reihe O.K spektral erstmals zusammengestellt. Sie versteht sich als Einladung, sich den Strukturen von Sound-Systemen auf spielerische Weise analytisch anzunähern, wobei auch die Geschichte und Aussagekraft des Hardwaredesigns von Plattenspielern, Computern oder Tonanlagen ins Spiel gebracht wird.
Worknet – gleich am Eingang zur Ausstellung – ist eine Zeitleiste, welche die Geschichte MESOs illustriert. Die Wand versammelt Schnappschüsse von kommerziellen und freien Projekten, die die Gesamtbreite der bei MESO entstandenen Arbeiten anreißen.
Der über die gesamte Länge des Gangs gezogene Kabelstrang versorgt alle gezeigten Arbeiten mit elektrischem Strom. Die Kabel sind sichtbar verlegt, die Steckdosen nach Jahren sortiert angebracht. Der Besucherstrom läuft analog dem elektrischen Strom. Über das Verfolgen der sichtbar verlegten Stromkabel können die Arbeiten zugeordnet werden. Der funktionalen Ebene wird eine semantische Ebene zugefügt. Das Ziehen der Stecker während der Ausstellung ist dennoch nicht gestattet.
Ein zentrales Ausstellungsobjekt dieser Werkschau ist der Heavy Rotation Revisor, dieser erlaubt es den BesucherInnen, das laufende Radioprogramm zu remixen. Dem Heavy Rotation-Prinzip moderner Radiosender wird ein konstanter Fluss von Revision und Improvisation entgegengesetzt. Kurze Soundschnipsel können auf einen Kreis gezogen werden, wo sie von einem passierenden Radarstrahl abgespielt werden.
Pitch on Pole dient der Verschiebung des Weltbildes. Jede flache Weltkarte ist eine Lüge. Trotzdem ist die Weltkarte nach wie vor Symbol für universelle Stabilität. Aber die Welt hat weder ein “Oben” noch ein “Unten” und sie ist auch nicht stabil. Jede Weltkarte, die man mit Pitch on Pole produziert, wird genauso wahr sein wie die, die man schon kennt, da Pitch on Pole dieselbe Projektionsmethode verwendet, nur mit anderen Polen.
Bei Mutable Muzzy Musics wird die lineare Struktur von originären Musikstücken zugunsten eines beliebig lange anhaltenden Remixes aufgelöst. Die Zeitachse der grafisch visualiserten Dramaturgie jedes Tracks wird zum Samplepool, aus dem beiläufig eine neue Komposition entsteht.
Die Bootleg Objects – eine Serie von Objekten bestehend aus einem Phono-Radio ohne das Phono, einem Kassettenreceiver ohne Kassette und einem Plattenspieler, der sich nicht dreht. Sie alle wurden subtil ihrer ursprünglichen Funktion entledigt um z.B. als MP3 Player eine zeitgemäße Wiedergeburt zu erfahren.
Splinezeller – Die grafischen Repräsentationswerkzeuge eines 3D-Programms werden von Parametern animiert, zu deren Repräsentation sie geschaffen wurden. Zeichen und Funktion verwandeln sich in Anatomie und Verhalten.
Die Coverbox ist eine interaktive Jukebox, die ausschließlich Coverversionen beheimatet. Mit dem Grundgedanken, dass Coverversionen Links zwischen Original- und CoverinterpretInnen etablieren, werden hier MusikerInnen, die Jahre, Kilometer oder Weltbilder voneinander entfernt sind, zu einem großen Netz verwoben.
Cuebickl – Zwei SpielerInnen fahren entlang der Kanten eines Würfels. Mit Holzklotz-Controllern gilt es, ein Soundsample zu fangen und dieses bei Gelingen gleichmäßig zu platzieren. Die Samples werden beim Überfahren abgespielt und ergeben den Soundtrack zum Spiel.
Involving System 2.7 besteht aus zwei modifizierten Plattenspielergehäusen der Firma Califone aus Beständen der US-Army sowie zwei historischen Workstation-Monitoren. Die BesucherInnen können Samples von Schallplatten entnehmen und diese auf Speicherplätzen ablegen, um sie dann über einen Sequencer zu neuen Musikstücken zu arrangieren.
Weitere MESO/Involving Systems Projekte im O.K
O.K spektral Kino:
Stefan Ammon (MESO)
Martin Bott (Involving Systems)
Sebastian Gregor (MESO)
Michael Höpfel (MESO)
Joreg (MESO)
Karl Kliem (MESO / Involving Systems)
Sebastian Oschatz (MESO / Involving Systems)
Max Wolf (MESO)